Teilprojekt B03 — Konfessionelle Minderheiten als Problem von Sicherheit in der Frühen Neuzeit

2. Förderphase

» 1. Förderphase

Die Frage nach der konfliktfördernden Bedeutung von Religion in multireligiösen bzw.multikonfessionellen Gesellschaften und Ordnungen findet in der Forschung breite Beachtung. Dies gilt in besonderem Maße für das postreformatorische Europa, für das der Konfessions- oder Religionskrieg geradezu als Epochensignum gelten kann. Hier setzt das Teilprojekt an: Es geht von der Grundannahme aus, dass nicht religiöse Pluralität als solche, sondern die Verbindung von Religion mit sicherheitsbezogenen Situationsdefinitionen und Bedrohungsperzeptionen durch Akteure wesentlich für die Entwicklung religiös legitimierter bzw. motivierter Konflikte war. Im Zentrum solcher Versicherheitlichungen standen in der Frühen Neuzeit nicht selten konfessionelle Minderheiten. Die Ergebnisse der ersten Förderphase, die unterschiedliche Dimensionen des Sicherheitsverständnisses in diesen Prozessen offengelegt haben, greift das Teilprojekt auf und führt sie konzeptionell fort, indem es nach sich überlagernden wie gegenläufigen Sicherheitskonzeptionen fragt. Dabei nimmt es über die diskursiven Versicherheitlichungsprozesse hinaus die in diesem Kontext entwickelten Bewältigungsstrategien in den Blick und fragt, wie diese Bedrohungsperzeptionen beeinflussten. Diese Untersuchung der Verflechtung von Sicherheitsheuristiken und -repertoires trägt dazu bei, die Mechanismen und Dynamiken der Wirksamkeit religiöser Bedrohungsszenarien zu verstehen.

Vor dem Hintergrund neuerer Forschungserkenntnisse zur Persistenz religiöser Bedrohungsmuster werden im Rahmen des Teilprojekts drei Fallbeispiele untersucht, die einen Vergleichsrahmen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert aufspannen. Das Teilprojekt verbindet damit die Epoche der klassischen Konfessionalisierung mit der Epoche der Aufklärung, die nur selten unter dem Aspekt konfessioneller  Bedrohungsperzeptionen und deren politischen Folgen betrachtet wird. Das Projekt geht davon aus, dass der Zusammenhang von Sicherheit und Religion ein wichtiger Aspekt politischer Legitimation bzw. der Formulierung politischer Geltungsansprüche blieb.

Das erste Arbeitsvorhaben analysiert am Beispiel der Wahrnehmung und Behandlung der katholischen Minderheit als Sicherheitsproblem seitens des Papsttums und der englischen Obrigkeit unter Elisabeth I. (1558-1603) gegenläufige, aber aufeinander bezogene Versicherheitlichungsprozesse und untersucht die politische Dynamik, die sich aus ihrer Verflechtung ergab. Durch die Einbeziehung römischer Quellenbestände und der Frage nach differierenden Sicherheitskonzeptionen und -bedürfnissen wird ein bekannter Konflikt aus neuen Perspektiven betrachtet.

Das zweite Arbeitsvorhaben untersucht Vorgänge der Versicherheitlichung in Grenzräumen zwischen dem Osmanischen Reich und dem Habsburgerreich. Im Rahmen der Versicherheitlichung orthodoxer Christen unter osmanischer Herrschaft formulierte der Kaiser politische Geltungsansprüche. Die sich unintendiert daraus entwickelnde Besserstellung eines Teils der orthodoxen Minderheit (Metropolie Karlowitz) schuf jedoch Konflikte mit der katholischen Bevölkerung und Verwaltung. Untersucht wird, wie im Rahmen der Festigung der griechisch-katholischen Union Orthodoxe als Sicherheitsproblem wahrgenommen wurden und welche Sicherheitsrepertoires sich daraus entwickelten.

Das dritte Arbeitsvorhaben behandelt die Versicherheitlichung protestantischer und orthodoxer Christen in Polen-Litauen. Durch diese wurden unintendierte Dynamiken in den Innen- wie Außenbeziehungen ausgelöst, die in die Teilungen Polens mündeten und neue gesellschaftliche und machtpolitische Konflikte schufen. Mit Blick auf die Frage einer europäischen aufgeklärten Öffentlichkeit wird nach Kommunikationsstrategien in Versicherheitlichungsprozessen und nach der Verknüpfung von Bedrohungsszenarien und Aufklärungsdiskursen gefragt.

 

 

Teilprojekt B03 — Konfessionelle Minderheiten als Problem von Sicherheit in der Frühen Neuzeit

2. Förderphase

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Die Frage nach der konfliktfördernden Bedeutung von Religion in multireligiösen bzw.multikonfessionellen Gesellschaften und Ordnungen findet in der Forschung breite Beachtung. Dies gilt in besonderem Maße für das postreformatorische Europa, für das der Konfessions- oder Religionskrieg geradezu als Epochensignum gelten kann. Hier setzt das Teilprojekt an: Es geht von der Grundannahme aus, dass nicht religiöse Pluralität als solche, sondern die Verbindung von Religion mit sicherheitsbezogenen Situationsdefinitionen und Bedrohungsperzeptionen durch Akteure wesentlich für die Entwicklung religiös legitimierter bzw. motivierter Konflikte war. Im Zentrum solcher Versicherheitlichungen standen in der Frühen Neuzeit nicht selten konfessionelle Minderheiten. Die Ergebnisse der ersten Förderphase, die unterschiedliche Dimensionen des Sicherheitsverständnisses in diesen Prozessen offengelegt haben, greift das Teilprojekt auf und führt sie konzeptionell fort, indem es nach sich überlagernden wie gegenläufigen Sicherheitskonzeptionen fragt. Dabei nimmt es über die diskursiven Versicherheitlichungsprozesse hinaus die in diesem Kontext entwickelten Bewältigungsstrategien in den Blick und fragt, wie diese Bedrohungsperzeptionen beeinflussten. Diese Untersuchung der Verflechtung von Sicherheitsheuristiken und -repertoires trägt dazu bei, die Mechanismen und Dynamiken der Wirksamkeit religiöser Bedrohungsszenarien zu verstehen.

Vor dem Hintergrund neuerer Forschungserkenntnisse zur Persistenz religiöser Bedrohungsmuster werden im Rahmen des Teilprojekts drei Fallbeispiele untersucht, die einen Vergleichsrahmen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert aufspannen. Das Teilprojekt verbindet damit die Epoche der klassischen Konfessionalisierung mit der Epoche der Aufklärung, die nur selten unter dem Aspekt konfessioneller  Bedrohungsperzeptionen und deren politischen Folgen betrachtet wird. Das Projekt geht davon aus, dass der Zusammenhang von Sicherheit und Religion ein wichtiger Aspekt politischer Legitimation bzw. der Formulierung politischer Geltungsansprüche blieb.

Das erste Arbeitsvorhaben analysiert am Beispiel der Wahrnehmung und Behandlung der katholischen Minderheit als Sicherheitsproblem seitens des Papsttums und der englischen Obrigkeit unter Elisabeth I. (1558-1603) gegenläufige, aber aufeinander bezogene Versicherheitlichungsprozesse und untersucht die politische Dynamik, die sich aus ihrer Verflechtung ergab. Durch die Einbeziehung römischer Quellenbestände und der Frage nach differierenden Sicherheitskonzeptionen und -bedürfnissen wird ein bekannter Konflikt aus neuen Perspektiven betrachtet.

Das zweite Arbeitsvorhaben untersucht Vorgänge der Versicherheitlichung in Grenzräumen zwischen dem Osmanischen Reich und dem Habsburgerreich. Im Rahmen der Versicherheitlichung orthodoxer Christen unter osmanischer Herrschaft formulierte der Kaiser politische Geltungsansprüche. Die sich unintendiert daraus entwickelnde Besserstellung eines Teils der orthodoxen Minderheit (Metropolie Karlowitz) schuf jedoch Konflikte mit der katholischen Bevölkerung und Verwaltung. Untersucht wird, wie im Rahmen der Festigung der griechisch-katholischen Union Orthodoxe als Sicherheitsproblem wahrgenommen wurden und welche Sicherheitsrepertoires sich daraus entwickelten.

Das dritte Arbeitsvorhaben behandelt die Versicherheitlichung protestantischer und orthodoxer Christen in Polen-Litauen. Durch diese wurden unintendierte Dynamiken in den Innen- wie Außenbeziehungen ausgelöst, die in die Teilungen Polens mündeten und neue gesellschaftliche und machtpolitische Konflikte schufen. Mit Blick auf die Frage einer europäischen aufgeklärten Öffentlichkeit wird nach Kommunikationsstrategien in Versicherheitlichungsprozessen und nach der Verknüpfung von Bedrohungsszenarien und Aufklärungsdiskursen gefragt.