Teilprojekt A03 — Dynastische Eheverträge und Versicherheitlichung 

2. Förderphase

» 1. Förderphase

Die Schlüsselbedeutung dynastischer Ehepolitik und dynastischer Eheverträge in der Frühen Neuzeit ist vollkommen unstrittig. Dagegen gelangt die Literatur in Hinblick auf ihre Folgen für die inner- wie zwischenstaatliche Stabilität und Sicherheit zu gegensätzlichen Urteilen. Dazu trägt das Fehlen von übergreifenden Untersuchungen bei, aber auch die Tatsache, dass Heiratspolitik als Indikator struktureller Sicherheitsprobleme frühneuzeitlicher Staatlichkeit erscheinen konnte (Heuristik), zugleich aber als Möglichkeit zu ihrer Lösung (Repertoire). Hier setzt das Teilprojekt an, das darauf zielt, dynastische Ehepolitik unter der Perspektive der Versicherheitlichung systematisch und im Zusammenhang zu analysieren. In der ersten Förderphase wurde mit einer digitalen Gesamterschließung dynastischer Eheverträge königlicher Häuser begonnen sowie ihre häufig thematisierte, aber unzureichend geklärte Rolle im Hinblick auf Kriegsentstehung und Friedenssicherung untersucht. Als zentrale Ergebnisse sind festzuhalten:

(1) Dynastische Ehepolitik war in viel geringerem Maße als bisher angenommen ein Instrument zielgerichteter, langfristig angelegter Außenpolitik, was ihre Bedeutung für Krieg und Frieden relativiert. Es ging den Akteuren weniger darum, langfristige Ziele umzusetzen, als vielmehr kurz- und mittelfristige ‚Möglichkeitsräume’ und Handlungsoptionen zu schaffen.

(2) In Prozessen der Versicherheitlichung nehmen dynastische Eheverträge und Sukzessionsregelungen eine doppelte, vielfach verschränkte Position ein: Herrscherwechsel stellten prinzipiell einen die Stabilität (dynastischer) Staatswesen gefährdenden Moment der Unsicherheit dar. Alle Versuche einer Erbregelung, auch in Eheverträgen, markierten diese Unsicherheit, dienten aber zugleich auch ihrer Bewältigung.

(3) Ambivalenzen wurden auch im Verhältnis zwischen Dynastie bzw. dynastischer Erbfolge und Fürstenstaat erkennbar: Auf der einen Seite wurden Dynastie und gesicherte Erbfolge als entscheidender Schutz vor staatlicher Instabilität dargestellt, andererseits bedienten sich die Dynasten staatlich-ständischer Instanzen, um die Eheverträge abzusichern und die Dynastie
ihrerseits zu stabilisieren. 

Daraus leitet sich das Arbeitsprogramm für die zweite Förderphase ab:

(A) Der Aufbau einer Datenbank zu dynastischen Eheverträgen, die inzwischen als Projekt zur Erschließung völkerrechtlicher Verträge ein Alleinstellungsmerkmal besitzt, wird fortgeführt.

(B) Bei der wissenschaftlichen Analyse frühneuzeitlicher Ehepolitik rückt das komplexe Wechselverhältnis zwischen fürstlicher Sukzession, Staatlichkeit und politischer Sicherheit ins Zentrum der Betrachtung und wird Gegenstand von zwei Unterprojekten sein:

(B1) Im ersten Arbeitsvorhaben sollen die (in ihren Folgen durchaus ambivalenten) Bemühungen, die als bedroht und bedrohlich angesehene Sukzession im Fürstenstaat abzusichern, vergleichend und systematisch in den Blick genommen werden. Diese Absicherung geschah auf völkerrechtlicher Ebene durch Dritte, durch andere Dynasten und Gemeinwesen (als völkerrechtlich wirksame Vertragsgarantie innerstaatlicher Ordnungen), aber auch auf staatsrechtlicher Ebene durch ständische Instanzen, denen damit eine Garantenstellung zugesprochen wurde. Dadurch können Einblicke in zentrale Wesenszüge des frühmodernen „dynastischen“ Fürstenstaats ebenso gewonnen werden wie in das Verhältnis von Sicherheit und Frieden in der Frühen Neuzeit.

(B2) Im zweiten Arbeitsvorhaben soll systematisch die weibliche (Königs-) Herrschaft als ein besonders herausfordernder Aspekt der Sukzessionsproblematik betrachtet werden, der seit dem 16. Jh. in verschiedenen Monarchien an Bedeutung gewann, und zwar trotz ihrer Darstellung als fundamentale Bedrohung der inneren und äußeren Stabilität des Gemeinwesens. Am Beispiel Englands bzw. Großbritanniens werden die Prozesse der Ver- und Entsicherheitlichung weiblicher Sukzession bzw. weiblicher Herrschaft analysiert, bei denen dynastische Eheverträge zentrale Relevanz besaßen.

 

 

 

 

 

 

Teilprojekt A03 — Dynastische Eheverträge und Versicherheitlichung 

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Die Schlüsselbedeutung dynastischer Ehepolitik und dynastischer Eheverträge in der Frühen Neuzeit ist vollkommen unstrittig. Dagegen gelangt die Literatur in Hinblick auf ihre Folgen für die inner- wie zwischenstaatliche Stabilität und Sicherheit zu gegensätzlichen Urteilen. Dazu trägt das Fehlen von übergreifenden Untersuchungen bei, aber auch die Tatsache, dass Heiratspolitik als Indikator struktureller Sicherheitsprobleme frühneuzeitlicher Staatlichkeit erscheinen konnte (Heuristik), zugleich aber als Möglichkeit zu ihrer Lösung (Repertoire). Hier setzt das Teilprojekt an, das darauf zielt, dynastische Ehepolitik unter der Perspektive der Versicherheitlichung systematisch und im Zusammenhang zu analysieren. In der ersten Förderphase wurde mit einer digitalen Gesamterschließung dynastischer Eheverträge königlicher Häuser begonnen sowie ihre häufig thematisierte, aber unzureichend geklärte Rolle im Hinblick auf Kriegsentstehung und Friedenssicherung untersucht. Als zentrale Ergebnisse sind festzuhalten:

(1) Dynastische Ehepolitik war in viel geringerem Maße als bisher angenommen ein Instrument zielgerichteter, langfristig angelegter Außenpolitik, was ihre Bedeutung für Krieg und Frieden relativiert. Es ging den Akteuren weniger darum, langfristige Ziele umzusetzen, als vielmehr kurz- und mittelfristige ‚Möglichkeitsräume’ und Handlungsoptionen zu schaffen.

(2) In Prozessen der Versicherheitlichung nehmen dynastische Eheverträge und Sukzessionsregelungen eine doppelte, vielfach verschränkte Position ein: Herrscherwechsel stellten prinzipiell einen die Stabilität (dynastischer) Staatswesen gefährdenden Moment der Unsicherheit dar. Alle Versuche einer Erbregelung, auch in Eheverträgen, markierten diese Unsicherheit, dienten aber zugleich auch ihrer Bewältigung.

(3) Ambivalenzen wurden auch im Verhältnis zwischen Dynastie bzw. dynastischer Erbfolge und Fürstenstaat erkennbar: Auf der einen Seite wurden Dynastie und gesicherte Erbfolge als entscheidender Schutz vor staatlicher Instabilität dargestellt, andererseits bedienten sich die Dynasten staatlich-ständischer Instanzen, um die Eheverträge abzusichern und die Dynastie
ihrerseits zu stabilisieren. 

Daraus leitet sich das Arbeitsprogramm für die zweite Förderphase ab:

(A) Der Aufbau einer Datenbank zu dynastischen Eheverträgen, die inzwischen als Projekt zur Erschließung völkerrechtlicher Verträge ein Alleinstellungsmerkmal besitzt, wird fortgeführt.

(B) Bei der wissenschaftlichen Analyse frühneuzeitlicher Ehepolitik rückt das komplexe Wechselverhältnis zwischen fürstlicher Sukzession, Staatlichkeit und politischer Sicherheit ins Zentrum der Betrachtung und wird Gegenstand von zwei Unterprojekten sein:

(B1) Im ersten Arbeitsvorhaben sollen die (in ihren Folgen durchaus ambivalenten) Bemühungen, die als bedroht und bedrohlich angesehene Sukzession im Fürstenstaat abzusichern, vergleichend und systematisch in den Blick genommen werden. Diese Absicherung geschah auf völkerrechtlicher Ebene durch Dritte, durch andere Dynasten und Gemeinwesen (als völkerrechtlich wirksame Vertragsgarantie innerstaatlicher Ordnungen), aber auch auf staatsrechtlicher Ebene durch ständische Instanzen, denen damit eine Garantenstellung zugesprochen wurde. Dadurch können Einblicke in zentrale Wesenszüge des frühmodernen „dynastischen“ Fürstenstaats ebenso gewonnen werden wie in das Verhältnis von Sicherheit und Frieden in der Frühen Neuzeit.

(B2) Im zweiten Arbeitsvorhaben soll systematisch die weibliche (Königs-) Herrschaft als ein besonders herausfordernder Aspekt der Sukzessionsproblematik betrachtet werden, der seit dem 16. Jh. in verschiedenen Monarchien an Bedeutung gewann, und zwar trotz ihrer Darstellung als fundamentale Bedrohung der inneren und äußeren Stabilität des Gemeinwesens. Am Beispiel Englands bzw. Großbritanniens werden die Prozesse der Ver- und Entsicherheitlichung weiblicher Sukzession bzw. weiblicher Herrschaft analysiert, bei denen dynastische Eheverträge zentrale Relevanz besaßen.