Teilprojekt C01 - „Erweiterte Sicherheit“. Die Veränderung von Staatlichkeit nach dem Ende des Booms

Bild: Waldsterben durch den Borkenkäfer in Bayern (Quelle: <a href="http://www.shutterstock.com/gallery-1029805p1.html" target="_blank">jopelka</a> / <a href="http://www.shutterstock.com/pic.mhtml?id=164553128" target="_blank">Shutterstock</a>)
Bild: Waldsterben durch den Borkenkäfer in Bayern (Quelle: jopelka / Shutterstock)


Das Teilprojekt untersucht die Veränderung von „Staatlichkeit“ in der Bundesrepublik Deutschland seit den 1970er Jahren. Unter „Staatlichkeit“ verstehen wir die historisch wandelbaren Ausprägungen des Herrschaftsgebildes Staat, das auf der Basis seines Gewaltmonopols kollektiv verbindliche Regeln und Entscheidungen innerhalb eines bestimmten Territoriums etabliert.

Grafik: HI-Virus in Blutbahn (Quelle: <a href="http://www.shutterstock.com/gallery-65904p1.html" target="_blank">Sebastian Kaulitzki</a> / <a href="http://www.shutterstock.com/pic.mhtml?id=128569904" target="_blank">Shutterstock</a>)
Grafik: HI-Virus in Blutbahn (Quelle: Sebastian Kaulitzki / Shutterstock)

Seit dem 18. Jahrhundert dehnte der moderne Staat seine Steuerungsaktivitäten stetig aus, so dass er spätestens im frühen 20. Jahrhundert die Letztverantwortung für die Regulierung sozialer, natürlicher und ökonomischer Unsicherheiten übernahm. Dabei kam dem jeweiligen Wissen über die Bevölkerung und über wahrgenommene Gefährdungen eine zentrale Bedeutung zu. Das Teilprojekt geht davon aus, dass die vielfältigen Veränderungsprozesse, die nach dem Ende des Nachkriegsbooms um 1970 einsetzten, sich auch auf Staatlichkeit – die Steuerungsformen, institutionellen Ausprägungen und Akteurskonstellationen – auswirkten. Mit dem Eintritt in die Phase „Nach dem Boom“ geriet der zuvor dominante nationale Verwaltungs- und Interventionsstaat zunehmend in die Kritik und sah sich durch Phänomene neuer Unsicherheit herausgefordert. Diese neuen Phänomene strapazierten zum Teil seine bisherigen Handlungskapazitäten und evozierten spezifische Anpassungsleistungen.

Das Teilprojekt untersucht die Ver- und Entsicherheitlichungsprozesse um drei Phänomene „erweiterter Sicherheit“, die in den 1970er und 1980er Jahren in das kollektive Problembewusstsein der westdeutschen Gesellschaft traten: Informationstechnik, HIV/AIDS und Umwelt. Das Teilprojekt fragt danach, welche Sicherheitsprobleme in den kommunikativen Prozessen um diese neuen Wissensobjekte diskutiert (Darstellung von Sicherheit) und welche Steuerungsformen bezüglich dieser Sicherheitsprobleme institutionalisiert wurden (Herstellung von Sicherheit). Ferner untersucht es, wie eine Entdramatisierung bzw. Bewältigung der Unsicherheitspotenziale möglich war (Entsicherheitlichung).

Grafik: Datensicherheit (Quelle: m00osfoto / <a href="http://www.shutterstock.com/pic-116202553/stock-photo-concept-of-computer-data-encryption-data-protection-security-enhancement.html?src=k0aF1UcWiW79vTFbPcqW0A-1-5" target="_blank">Shutterstock</a>)
Grafik: Datensicherheit (Quelle: m00osfoto / Shutterstock)

Im Fokus der drei komplementär angelegten Untersuchungen stehen Prozesse der Wissensgenerierung und Wissensverbreitung. Wir analysieren Sicherheits-Semantiken (Begriffe, Metaphern), die Materialität und Visualität von Sicherheit (Objekte, Medien, Bilder), Sicherheits-Räume (Grenzen, Zirkulation) und die an den Ver- und Entsicherheitlichungsprozessen teilnehmenden Sicherheits-Akteure (ihre Interessen und Praktiken).

Erkenntnisleitend ist die Frage, in welcher Weise sich durch die Institutionalisierung der neuartigen Sicherheitsregime Datenschutz, Safer Sex und Umweltschutz Staatlichkeit in der Bundesrepublik in den 1970er und 1980er Jahren veränderte. Dadurch möchten wir einen Beitrag zum Verständnis der Historizität gegenwärtiger Staatlichkeit leisten.

 
SFB/TRR 138 “Dynamics of Security” | Wilhelm-Röpke-Str. 6C | 35032 Marburg
SFB/TRR 138 “Dynamics of Security”
Wilhelm-Röpke-Str. 6C
35032 Marburg