Teilprojekt B05 - Ver- und Entsicherheitlichung treuhänderischer Übergangsverwaltungen in politischen Transitionsprozessen

Bild: UN-Fahrzeug
Bild: UN-Fahrzeug

In dem Forschungsprojekt untersuchen wir Ver- und Entsicherheitlichungsprozesse im Rahmen externer Staatsbildung durch treuhänderische Verwaltungen von Territorien. Die seit Ende des Zweiten Weltkriegs durch die Vereinten Nationen eingesetzten externen Administrationen verfolgen das Ziel der Herstellung von Sicherheit und demokratischer Staatlichkeit. Dadurch soll eine Bevölkerung in die Lage versetzt werden, das Recht auf Selbstbestimmung ausüben und wirksam vor inneren und äußeren Bedrohungen geschützt werden zu können. Treuhänderische Übergangsverwaltungen stehen dabei in einem grundsätzlichen Spannungsverhältnis: Auf der einen Seite basiert ihre Legitimität auf kommunikativ konstruierten existenziellen Bedrohungen – wie die  Rückkehr von Unterdrückung und Gewalt, mögliche Interventionen durch Nachbarstaaten oder der Aufstieg krimineller Gruppen – die eine temporäre Fremdherrschaft rechtfertigen. Auf der anderen Seite muss die Übergangsverwaltung unter Beweis stellen, dass sie und die von ihr autorisierten Institutionen in der Lage sind, dieser Bedrohungen Herr zu werden. Die Akteure der externen Staatsbildung betreiben insofern sowohl eine Politik der  Ver- als auch der Entsicherheitlichung.

Gegenstände des SFB-Teilprojektes sind Diskurse und Praktiken der Ver- und Entsicherheitlichung internationaler Übergangsverwaltungen in zwei unterschiedlichen internationalen politischen Konstellationen: Im Rahmen des UN-Treuhandsystems untersuchen wir die Fälle der britischen und französischen Mandatsgebiete in Kamerun und der australischen Verwaltung von  Papua-Neuguinea. Während diese Verwaltungen in erster Linie am politischen Ziel der Entkolonialisierung orientiert waren, sind die externen Verwaltungen von Ost-Timor und des Kosovo Teil eines internationalen Diskurses über die Bedeutung funktionierender Staatlichkeit für Frieden und Sicherheit.

Die Fälle werden innerhalb des Forschungsprojektes vergleichend bearbeitet. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden der verschiedenen Diskurse und Praktiken externer Übergangsverwaltungen insbesondere mit Blick auf den Verlauf und die Gewalthaltigkeit der jeweiligen politischen Transitionsprozesse. Zwei für den SFB zentrale Aspekte werden in dem Teilprojekt besonders betrachtet – die Raumbezogenheit von Versicherheitlichungsprozessen und die Dynamiken von Ver- und Entsicherheitlichung: Erstens gehört es zu den Kernaufgaben von Übergangsverwaltungen territoriale Räume administrativ herzustellen und gegen vermeintliche Bedrohungen zu sichern. Zweitens entsteht eine Dynamik der Sicherheit nicht nur durch das für externe Staatsbildung typische Spannungsverhältnis von Ver- und Entsicherheitlichung, sondern auch dadurch, dass  lokale Akteur_innen im Zuge der Herausbildung einer „political agency“ eine Übergangsverwaltung als Bedrohung ihrer eigenen Identität ansehen und den Herrschaftsanspruch bestreiten können.

 

 

 
SFB/TRR 138 “Dynamics of Security” | Wilhelm-Röpke-Str. 6C | 35032 Marburg
SFB/TRR 138 “Dynamics of Security”
Wilhelm-Röpke-Str. 6C
35032 Marburg