Konzeptgruppe 2: Sicherheit und Zukunftsverständnis

Die Tatsache, dass Verständnis und Umgang mit der Zukunft beständiger Veränderung unterworfen waren, es eine „Geschichte der Zukunft“ gibt, findet seit geraumer Zeit – im Anschluss an Thesen Kosellecks – große Aufmerksamkeit in der historischen Forschung. So ist es einer verbreiteten Forschungsauffassung zufolge im Zusammenhang mit der Aufklärung zu einer deutlichen Zäsur im Zukunftsverständnis gekommen, die als „Entdeckung der Zukunft“ (Lucian Hölscher) bezeichnet worden ist: Die ungewisse Zukunft sei in der Sattelzeit zum gestaltbaren Raum geworden (Hölscher 1999). Eine solche Veränderung habe unmittelbaren Einfluss auf die Sicherheitsplanung der politischen Akteure.

Diese Konzeptgruppe thematisiert daher den engen Zusammenhang von Versicherheitlichung, einem sich über die Zeit wandelnden Zukunftsverständnis und die sich davon ableitenden Praktiken. Sicherheitspolitisches Handeln ist in der Regel zukunftsorientiert, weil es auf die Stabilisierung langfristig wirksamer wechselseitiger Verbindlichkeitsstrukturen ausgerichtet ist. Ein entsprechender Prozess oder Handlungsansatz zielt auf die Einhegung und Planbarkeit von Risiken und Bedrohungen, die mit dem jeweiligen Verständnis von Zukunft korrespondieren. Die angemessene Untersuchung der Interdependenz von Versicherheitlichung und Zukunftsverständnis setzt daher im SFB/TRR voraus, nicht von vorneherein ein spezielles Verlaufsmodell in der Genese von Zukunftsverständnis und -erwartung zugrunde zu legen, sondern dies in einem engen Wechselverhältnis zu Konzepten und Prozessen der Versicherheitlichung zu sehen. Entsprechend zielt die KG darauf, ergebnisoffen zu analysieren, ob und welche Kontinuitäten, Wandlungen und Brüche des Zukunftsbewusstseins bei der Analyse von Prozessen der Versicherheitlichung erkennbar werden und wie diese ihrerseits Konstellationen, die in Richtung Versicherheitlichung gewirkt haben, beeinflussten. Das bezieht sich nicht nur auf den in der bisherigen Forschung oftmals unterstellten großen Bruch zwischen Vormoderne und Moderne, sondern gerade auch für die zahlreichen Wandlungen und Zäsuren innerhalb der Großepochen. So ist wiederholt darauf hingewiesen worden, dass sich gerade in den 1960er und 1970er Jahren Vorstellungen von Zukunft spürbar wandelten (Conze 2009, 371-374 u. 467-470; Seefried 2010; Hartmann/Vogel 2010). Zudem muss es hier auch darum gehen, den Blick neben epochen- auch auf akteursabhängige Differenzierungen zu werfen und beispielsweise nach den für einzelne soziale Gruppen (wie z.B. Minderheiten oder Berufsgruppen) spezifischen Zukunftsverständnissen (Koselleck 1979, 360) und deren Rolle im Aushandlungsprozess der Versicherheitlichung zu fragen.

Der SFB/TRR 138 bietet den geeigneten Rahmen für die Durchführung einer solchen Forschungsaufgabe, weil er epochenübergreifend angelegt ist und einen Zeitraum von der Antike bis zur Gegenwart umfasst. Auf diese Weise können unterschiedliche Konjunkturen von Sicherheit als politisches Projekt wie als planende Praxis nachgezeichnet und zueinander in Beziehung gesetzt werden. Der Umgang mit Zukunftsplanung in Versicherheitlichungsprozessen wird auf der Ebene der unterschiedlichen Projektbereiche und Teilprojekte auf je eigene Weise thematisiert, kann aber in der Arbeit der Konzeptgruppe vergleichend in den Blick genommen und in Hinblick auf Rechtsvorstellungen, Wissenssysteme und Praktiken der Gewalteinhegung zu gemeinsamen Ergebnissen gebündelt werden. Konkret soll hier danach gefragt werden, welche Faktoren jeweils für die Ausprägung und die Veränderung von Zukunftsverständnis und Konzepten wie Praktiken der Versicherheitlichung bestimmend waren. Lassen sich hier über Epochen und historische Akteurskonstellationen hinweg Verschränkungsstrukturen zwischen beiden Prozessen beobachten, die in Typologien überführbar sein könnten?

 

 

 

 

Konzeptgruppe 2: Sicherheit und Zukunftsverständnis

Die Tatsache, dass Verständnis und Umgang mit der Zukunft beständiger Veränderung unterworfen waren, es eine „Geschichte der Zukunft“ gibt, findet seit geraumer Zeit – im Anschluss an Thesen Kosellecks – große Aufmerksamkeit in der historischen Forschung. So ist es einer verbreiteten Forschungsauffassung zufolge im Zusammenhang mit der Aufklärung zu einer deutlichen Zäsur im Zukunftsverständnis gekommen, die als „Entdeckung der Zukunft“ (Lucian Hölscher) bezeichnet worden ist: Die ungewisse Zukunft sei in der Sattelzeit zum gestaltbaren Raum geworden (Hölscher 1999). Eine solche Veränderung habe unmittelbaren Einfluss auf die Sicherheitsplanung der politischen Akteure.

Diese Konzeptgruppe thematisiert daher den engen Zusammenhang von Versicherheitlichung, einem sich über die Zeit wandelnden Zukunftsverständnis und die sich davon ableitenden Praktiken. Sicherheitspolitisches Handeln ist in der Regel zukunftsorientiert, weil es auf die Stabilisierung langfristig wirksamer wechselseitiger Verbindlichkeitsstrukturen ausgerichtet ist. Ein entsprechender Prozess oder Handlungsansatz zielt auf die Einhegung und Planbarkeit von Risiken und Bedrohungen, die mit dem jeweiligen Verständnis von Zukunft korrespondieren. Die angemessene Untersuchung der Interdependenz von Versicherheitlichung und Zukunftsverständnis setzt daher im SFB/TRR voraus, nicht von vorneherein ein spezielles Verlaufsmodell in der Genese von Zukunftsverständnis und -erwartung zugrunde zu legen, sondern dies in einem engen Wechselverhältnis zu Konzepten und Prozessen der Versicherheitlichung zu sehen. Entsprechend zielt die KG darauf, ergebnisoffen zu analysieren, ob und welche Kontinuitäten, Wandlungen und Brüche des Zukunftsbewusstseins bei der Analyse von Prozessen der Versicherheitlichung erkennbar werden und wie diese ihrerseits Konstellationen, die in Richtung Versicherheitlichung gewirkt haben, beeinflussten. Das bezieht sich nicht nur auf den in der bisherigen Forschung oftmals unterstellten großen Bruch zwischen Vormoderne und Moderne, sondern gerade auch für die zahlreichen Wandlungen und Zäsuren innerhalb der Großepochen. So ist wiederholt darauf hingewiesen worden, dass sich gerade in den 1960er und 1970er Jahren Vorstellungen von Zukunft spürbar wandelten (Conze 2009, 371-374 u. 467-470; Seefried 2010; Hartmann/Vogel 2010). Zudem muss es hier auch darum gehen, den Blick neben epochen- auch auf akteursabhängige Differenzierungen zu werfen und beispielsweise nach den für einzelne soziale Gruppen (wie z.B. Minderheiten oder Berufsgruppen) spezifischen Zukunftsverständnissen (Koselleck 1979, 360) und deren Rolle im Aushandlungsprozess der Versicherheitlichung zu fragen.

Der SFB/TRR 138 bietet den geeigneten Rahmen für die Durchführung einer solchen Forschungsaufgabe, weil er epochenübergreifend angelegt ist und einen Zeitraum von der Antike bis zur Gegenwart umfasst. Auf diese Weise können unterschiedliche Konjunkturen von Sicherheit als politisches Projekt wie als planende Praxis nachgezeichnet und zueinander in Beziehung gesetzt werden. Der Umgang mit Zukunftsplanung in Versicherheitlichungsprozessen wird auf der Ebene der unterschiedlichen Projektbereiche und Teilprojekte auf je eigene Weise thematisiert, kann aber in der Arbeit der Konzeptgruppe vergleichend in den Blick genommen und in Hinblick auf Rechtsvorstellungen, Wissenssysteme und Praktiken der Gewalteinhegung zu gemeinsamen Ergebnissen gebündelt werden. Konkret soll hier danach gefragt werden, welche Faktoren jeweils für die Ausprägung und die Veränderung von Zukunftsverständnis und Konzepten wie Praktiken der Versicherheitlichung bestimmend waren. Lassen sich hier über Epochen und historische Akteurskonstellationen hinweg Verschränkungsstrukturen zwischen beiden Prozessen beobachten, die in Typologien überführbar sein könnten?

 

 

 

 
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  • Kreuzfahrerherrschaften
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    Teilprojekt A02

  • Dynastische Eheverträge und Versicherheitlichung
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  • Kollektive Sicherheit
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  • Sicherheit vor Genozid
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  • Konfessionelle Minderheiten
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  • Treuhändische Übergangsverwaltungen
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  • Sicherheit und städtischer Raum
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  • Sicherheit als Siebter Sinn
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  • Herausbildung der Roma-Minderheit
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  • Gastvortrag
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