Teilprojekt C02 — Sicherheit und städtischer Raum
in London und Hamburg von den 1880er bis in die 1980er Jahre

Bild: "The Life Guards Keeping the Square"

Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde soziale Ungleichheit zunehmend als Gefahr wahrgenommen. In besonderer Weise traf dies für die wachsenden Großstädte zu, die in dieser Zeit verstärkt als Orte der Unsicherheit angesehen wurden. Hierzu trug unter anderem bei, dass sich die Klassenunterschiede nun in der Regel auch in einer räumlichen Segregation widerspiegelten: Hatten Arm und Reich bis weit in das 19. Jahrhundert hinein noch in den gleichen Stadtvierteln nebeneinander gelebt, so bildeten sich nun Elends- und Villenviertel heraus. Die wachsenden Slums galten als Krankheitsherde und als Brutstätten der Kriminalität: Die Hamburger Choleraepidemie von 1892 und die Mordserie Jack the Rippers in London gaben solchen Wahrnehmungen Nahrung. Immer eindringlicher warnten bürgerliche Beobachter, dass die Elendsviertel mit ihren miserablen Lebensbedingungen  zum Ausgangspunkt sozialer Unruhen werden könnten.

Das Teilprojekt erforscht vor diesem Hintergrund Prozesse der Ver- und Entsicherheitlichung im deutsch-britischen Vergleich. Im Mittelpunkt stehen die Londoner Arbeitslosenunruhen von 1886/87 und den Hamburger Hafenarbeiterstreik der Jahre 1896/97. Zeitgenossen betonten immer wieder, dass diese Ereignisse bislang ungekannte Ausmaße annahmen. Sie erschienen als ein Ausdruck einer bedrohlichen Verschärfung des Klassenkonflikts.

Gefragt wird, wie innerstädtische Sicherheit zum Gegenstand neuer Formen der Wissensproduktion wurde und in welcher Weise das so generierte Wissen die Etablierung neuer Sicherheitsregimes formte. Zentrale Akteure des Sicherheitsdiskurses waren neben Politikern und der Massenpresse der beiden Städte auch Aktivisten der Settlement-Bewegung und Sozialwissenschaftler, die epistemic communities bildeten. So setzte sich etwa der in Hamburg lebende Soziologe Ferdinand Tönnies intensiv mit dem Hafenarbeiterstreik auseinander, während der Londoner Reeder Charles Booth seine umfangreiche sozialwissenschaftliche Pionierstudie über die Lebensverhältnisse der Londoner Arbeiter wenn auch nicht allein durch die Arbeitslosenunruhen bedingt, unmittelbar im Anschluss an diese begann.

 

 

Teilprojekt C02 — Sicherheit und städtischer Raum
in London und Hamburg von den 1880er bis in die 1980er Jahre

Bild: "The Life Guards Keeping the Square"

Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde soziale Ungleichheit zunehmend als Gefahr wahrgenommen. In besonderer Weise traf dies für die wachsenden Großstädte zu, die in dieser Zeit verstärkt als Orte der Unsicherheit angesehen wurden. Hierzu trug unter anderem bei, dass sich die Klassenunterschiede nun in der Regel auch in einer räumlichen Segregation widerspiegelten: Hatten Arm und Reich bis weit in das 19. Jahrhundert hinein noch in den gleichen Stadtvierteln nebeneinander gelebt, so bildeten sich nun Elends- und Villenviertel heraus. Die wachsenden Slums galten als Krankheitsherde und als Brutstätten der Kriminalität: Die Hamburger Choleraepidemie von 1892 und die Mordserie Jack the Rippers in London gaben solchen Wahrnehmungen Nahrung. Immer eindringlicher warnten bürgerliche Beobachter, dass die Elendsviertel mit ihren miserablen Lebensbedingungen  zum Ausgangspunkt sozialer Unruhen werden könnten.

Das Teilprojekt erforscht vor diesem Hintergrund Prozesse der Ver- und Entsicherheitlichung im deutsch-britischen Vergleich. Im Mittelpunkt stehen die Londoner Arbeitslosenunruhen von 1886/87 und den Hamburger Hafenarbeiterstreik der Jahre 1896/97. Zeitgenossen betonten immer wieder, dass diese Ereignisse bislang ungekannte Ausmaße annahmen. Sie erschienen als ein Ausdruck einer bedrohlichen Verschärfung des Klassenkonflikts.

Gefragt wird, wie innerstädtische Sicherheit zum Gegenstand neuer Formen der Wissensproduktion wurde und in welcher Weise das so generierte Wissen die Etablierung neuer Sicherheitsregimes formte. Zentrale Akteure des Sicherheitsdiskurses waren neben Politikern und der Massenpresse der beiden Städte auch Aktivisten der Settlement-Bewegung und Sozialwissenschaftler, die epistemic communities bildeten. So setzte sich etwa der in Hamburg lebende Soziologe Ferdinand Tönnies intensiv mit dem Hafenarbeiterstreik auseinander, während der Londoner Reeder Charles Booth seine umfangreiche sozialwissenschaftliche Pionierstudie über die Lebensverhältnisse der Londoner Arbeiter wenn auch nicht allein durch die Arbeitslosenunruhen bedingt, unmittelbar im Anschluss an diese begann.

 

 

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